Arbeit gegen Zeit,
Zeit gegen Arbeit.


Das Tauschnetz in der Region Thun, mitmachen können alle!


Haarkamm-Museum 2022

Besichtigung des Haar- und Kamm-Museums

Mümliswil als Nabel der Welt der Kämme

Auf dem Plakat, welches für die Weltausstellung in Paris 1889 geschaffen wurde, steht der Hinweis «Maison fondée en 1792» (Firma 1792 gegründet). Die Kammmacherei erlebte in den nachfolgenden rund zweihundert Jahren einen spannenden Wandel vom einstigen Handwerk zur Industrie.

Spannend nahm Frau Kamber uns zwölf Zytbörseler auf eine geschichtliche Reise mit. Wir erfuhren beispielsweise, dass für die Produktion der Kämme anfänglich einheimische Kuhhörner und später auch Büffelhörner aus Brasilien und Siam verwendet wurden. Für edle Kämme kam zuweilen auch Schildpatt zur Anwendung. Die Gewinnung des Schildpatts war allerdings kein Ruhmesblatt, wurden doch den Schildkröten auf den Kapverdischen Inseln der Rückenpanzer bei lebendigem Leibe abgerissen.

Einerseits aus Kostengründen, anderseits auch weil sich die Bestände der Karettschildkröte verringerte, wurde das Schildpatt zur Mangelware. Um 1900 stand deshalb der Umstieg auf das Zelluloid an. Mit der Kunststoffverarbeitung liessen sich verblüffend ähnliche Effekte wie die der Schildpattmusterungen erzielen. Circa 1920 waren die Bestände des natürlichen Rohstoffs jedoch aufgebraucht und die Kämme wurden danach fast ausschliesslich aus Kunststoff gefertigt.

Bereits um 1900 erlangte die Firma weltweite Bekanntheit. Die Produkte wurden dabei zum grössten Teil ins Ausland geliefert. Vertretungen in London, Rom, Stockholm, Madrid, Lissabon, New York, Mexiko und Buenos Aires besorgten den Verkauf der qualitativ hochstehenden Mümliswiler Kämme.

Einen herben Rückschlag erlitt das Unternehmen 1915. Der Grund war der Umstand, dass Zelluloid leicht entflammbar ist. Durch einen Funken entzündete sich der im Keller gesammelte Zelluloidstaub. Es kam zu einer Explosion mit nachfolgendem Brand. Eine Katastrophe, bei welcher 32 Arbeiterinnen und Arbeiter den Tod fanden. Der Wiederaufbau des zerstörten Hauptgebäudes und die Erweiterung der Fabrikanlage wurden unverzüglich an die Hand genommen. 1916 konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden und bereits drei Jahre später verzeichnete die Kammfabrik mit 400 Arbeitnehmenden den höchsten Mitarbeiterstand.

In den unsicheren 1930er-Jahren wurde auch die Existenz der Mümliswiler Kammfabrik ernsthaft gefährdet. Neben der Kamm-Produktion wurde nun zusätzlich Kunststoffgeschirr hergestellt. Trotz wirtschaftlichen Berg- und Talfahrten konnte sich die Firma noch bis 1990 halten, ging dann aber endgültig in Konkurs.

Abschluss und Dank!

Mit dem von der Zytbörse offerierten Kaffee und Gebäck wurde die interessante Besichtigung abgeschlossen.

Herzlichen Dank an Sonja, für die mustergültige Planung und Durchführung. Ein kleiner Wermutstropfen – für den jedoch nicht Sonja die Schuld trägt – war der Umstand, dass der vorgesehene Zug in Olten wegen einer Panne eines anderen Zuges mit «unbestimmter Verspätung» angekündigt wurde und einige sich aus Zeitgründen statt via Bern für die Rückreise über Burgdorf–Konolfingen entscheiden mussten (und dann trotzdem später in Thun ankamen).

 

Bericht und Bilder: Bruno Sinzig

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